Capitalis monumentalis – Schrift der römischen Antike

Capitalis monumentalis, in eine Marmortafel eingehauen, die auf dem Sockel der Trajansäule in Rom angebracht ist. Entstehung 114 n. Chr. Bild: wikipedia.de, gemeinfrei, Ausschnitt

Capitalis monumentalis wird die römische Kapitalschrift benannt, die zu jener Zeit in Stein gehauen wurde.

Bekanntes Beispiel ist die in eine Marmorplatte eingemeißelte Schrift im Sockel der Trajansäule in Rom. Die Ehrensäule wurde in den Jahren 112/113 nach Christus für den römischen Kaiser Trajan auf dessen Forum errichtet. Die Schrift wurde für damals,  wohl auf Grund der Bedeutsamkeit, ungewöhnlich exakt eingehauen. Details deuten darauf hin, dass hier die Buchstaben aufgepaust und dann mit dem Meißel exakt herausgearbeitet wurden. Gewöhnlich wurden die Buchstaben jedoch mit einem Pinsel auf den Stein gemalt und dann direkt eingehauen.

Auf der Tafel steht geschrieben: „Senat und Volk von Rom [weihen dieses Monument] dem Imperator Caesar Nerva Traianus Augustus, Sohn des vergöttlichten Nerva, Bezwinger der Germanen und der Daker, Pontifex Maximus, Inhaber der tribunizischen Amtsgewalt zum siebzehnten Mal, siegreicher Feldherr zum sechsten Mal, Consul zum sechsten Mal, P[ater] P[atriae], um zu zeigen, wie hoch der Hügel und das Gelände war, das für diese umfangreichen Baumaßnahmen entfernt wurde.“1)Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Trajansäule

Grundformen der Capitalis monumentalis und Capitalis quadrata

Schon in der griechischen Schrift haben sich die Grundformen der Captalis quadrata herausgebildet. Die Buchstaben wurden aus geometrischen Formen – Senkrechte, Wagrechte, Dreieck, Quadrat und Kreis – entwickelt. Die gleichen Elemente finden sich gleichermaßen in der damaligen Architektur.

Grundformen der Capitalis. Kreis, Quadrat, Dreieck und Rechteck. Bild: eigenes

Das wechselnde Spiel zwischen geraden und runden Formen, das Spiel zwischen geschlossenen und offen Räumen, das Spiel mit den unterschiedlichen Balkenstärken und das Spiel mit dem Licht durch die keilnutförmige Vertiefung lässt die Schrift lebendig und leicht wirken.

Charakteristisch sind die Serifen, die den Buchstaben Halt und Abschluß geben. Die Serifen sind wohl durch die Verwendung von Schrifteisen entstanden.

In der Capitalis verbinden sich rationale und irrationale Elemente: Architektur und Dymanik der Schreibtechnik.

Capitalis monumentalis in heutiger Zeit

Cinzel, der auf dieser Website verwendete Font, ist eine Open-Source-Schrift des portugiesischen Designers Natanael Gama. Der Grundschnitt ist der Captialis nachempfunden. Viel bekannter ist die 1989 von Carol Twombly nach der Vorlage der oben abgebildeten Schrifttafel geschaffene Trajan-Font. Durch die monumentale Wirkung ist der Font genreübergreifend Titelschrift für hunderte Kinofilme.

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